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zu Gast bei CONTUR 2

Zwischen Kunst und Architektur bilden sich interessante Synergie-Felder. Die Grenzlinien zwischen den Welten von Kunst zu Architektur haben eine inspirierende Aufgabe, wenn z. B. Kunst die Architektur oder umgekehrt Architektur künstlerisches Schaffen beeinflusst.

Grenzüberschreitungen bilden oft Voraussetzungen für Neuanfänge. Die Grenzen zwischen verschiedenen Berufswelten sind spannender Nährboden und Schnittstelle für interdisziplinäres und ganzheitliches Arbeiten. So wie auch die Schnittstelle zwischen Innen-Raum und Außen-Raum schon immer Architekturthema war und dies auch aktuell und in Zukunft so bleiben wird.

Der Name des Kunstkollegiums ist Konzept: (off)raum bedeutet "Kunst ohne Raum", "Kunst außerhalb eines Raumes", beschreibt "die Idee des nomadisierenden Künstlers, der sich nicht an einen Ort festsetzen und einrichten will, der mit seinen Ideen weiterzieht und ganz bewusst "Zwischenräume" jenseits der etablierten Institutionen sucht, in denen er seine Künstlerischen Arbeiten zur Diskussion stellt" (Milo Köpp 2008).

Das Kunstkollegium hat statt des ambitionierten Ziels, seine Kunst in einem Museum "auszustellen", viel eher den Dialog mit einem Lebens-Ort im Fokus. Seine Wirkung wird wahrgenommen, um eine künstlerische Antwort zu finden, die wiederum die Wahrnehmung der Betrachter und Besucherinnen fordert.

Das Kunstkollegium entwickelt eine künstlerische Antwort auf die spezifische Raumsituation von CONTUR 2. Das Thema ist die Attraktivität und zugleich der Konflikt einer Schnittstelle zwischen Innen-Raum und Außen-Raum am Beispiel eines Architektur-und Stadtplanungsbüros, das in einem ehemaligen erdgeschossigen Bäckerladen mit großem Schaufenster untergebracht ist Dabei wurde der Besprechungsraum des Büros in den Fokus genommen. Auswirkungen von Innen und Einwirkungen von Außen, in und um den Besprechungsraum, werden wahrgenommen und bearbeitet. Im Zusammenhang mit dem spiegelbildlichen Aufbau der noch im alten Zustand vorhandenen Durchfahrt des Nachbargebäudes spiegeln sich die Nutzungen gegenseitig, wird Präsentation nach außen und das konzentrierte Arbeiten nach innen optisch und akustisch thematisiert und umgedeutet. Das Narrative einer Entwurfszeichnung vermittelt sich an der Außenwand des Besprechungsraumes; Geräusche und Gesprächsfetzen wandern von innen nach aussen und umgekehrt. Die Spannung eines summenden Elektro-Transformators auf der Straße und die Rolle der sich Raum zurückerobernden Natur im Hinterhof sind weitere Themen, die das Kunstkollegium anspricht. Die Geschichte der ehemaligen Nutzer, die Bäckersleute, wird präsent in der Arbeit "Die Braut des Bäckers".

Die hier einmalig entstehende Kunst reflektiert erzählerisch Nutzungsveränderungen und Nutzungskonflikte im innerstädtisch dichten Gefüge mit seinen Ansprüchen an Präsenz, Angebot, Nachfrage, Angemessenheit, Zurückgezogenheit. Die Arbeit des Kunstkollegiums kunst(off)raum schärft die Wahrnehmung der Betrachter für sich ständig ändernde gesellschaftliche Prozesse, die Lebendigkeit garantieren.


Christiane Voigt, August 2008