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zu Gast bei Brigitte Krieger

Künstlerinnen und Künstler brauchen Öffentlichkeit, sie brauchen ein angemessenes Forum für die Präsentation ihrer Ideen und Arbeiten. Wer nicht ausstellt, wird nicht wahrgenommen, und wer nicht kontinuierlich ausstellt, wird schnell wieder vergessen. Nur wenige haben das Glück, schon früh vom professionellen Kunstbetrieb entdeckt und von den etablierten Kunstvereinen und Museen präsentiert und durch Galerien vermarktet zu werden. Die, die nicht dazugehören - und das ist die Regel - müssen Strategien entwickeln, müssen selbst Wege suchen, um ihre Arbeiten einem Publikum vorstellen zu können. Im kritischen Dialog mit der Öffentlichkeit kann künstlerische Arbeit sich entwickeln, und hier können die Kontakte geknüpft werden, die ein tragfähiges Netz für die weitere Arbeit bilden.

Hinter der Initiative kunst (off) raum essen stehen sieben junge Künstlerinnen und Künstler, die mit einem ungewöhnlichen Ausstellungskonzept auf sich aufmerksam machen. Sie "beziehen" in Absprache mit den Hausbesitzern im Stadtraum kurzfristig leerstehende bzw. nicht vermietete Räume (Ladenlokale, Wohnungen, aber auch Büroräume, Lager- oder Fabrikräume), um in diesen künstlerisch zu intervenieren.
Die Teilnehmer von kunst (off) raum essen sind nicht im Sinne einer gemeinsamen künstlerischen Programmatik miteinander verbunden. Ihre Ansätze sind vielfältig und das Spektrum ihrer Arbeiten reicht von Malerei bis zu Videoarbeiten, kinetischen Objekten und raumbezogenen Installationen.

Gemeinsam suchen sie die Herausforderung, um an kunstfremden Orten auf die jeweiligen Besonderheiten der Räume einzugehen, sie künstlerisch zu bespielen, und sie dadurch zu Orten der Kunst werden zu lassen. Dabei handelt es sich um Räume, bei denen temporär die Grenze zwischen Privatraum und Öffentlichkeit nicht durch die Nutzung gezogen ist. Sie befinden sich gleichsam in einem Schwebezustand zwischen architektonischer Hülle und ihrer eigentlichen Bestimmung.
In diesem Ausstellungskonzept spiegelt sich die Idee des nomadisierenden Künstlers, der sich nicht an einem Ort festsetzen und einrichten will, der mit seinen Ideen weiterzieht und ganz bewusst "Zwischenräume" jenseits der etablierten Institutionen sucht, in denen er seine künstlerischen Arbeiten zur Diskussion stellt. Dahinter liegt die lebendige Vorstellung von Kunst, welche die Nischen im Stadtraum zu kommunikativen Schnittstellen von urbanem Leben und künstlerischem Denken wandeln kann.

Vergleichbare Kooperationen zwischen Künstlern und Immobilienbesitzern finden bereits sehr erfolgreich z. B. in Berlin, Hamburg, München und Mannheim statt. Denn nicht nur die Künstler profitieren davon. Dort haben die Hausbesitzer schnell erkannt, dass Leerstände tote Räume sind.

Die Ausstellungen sorgen für eine breite Öffentlichkeit, in der sich auch die Immobilie attraktiv werbend darstellt. Den Künstlerinnen und Künstlern von kunst (off) raum essen kann man nur wünschen, dass sie neben einer kulturell interessierten Öffentlichkeit auch die tatkräftige Unterstützung durch aufgeschlossene Raumgeber für ihr ambitioniertes Ausstellungskonzept finden.

Milo Köpp 2008