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zu Gast in der Rellinghauserstraße

Ein Ladenlokal. Ein Ort auf der Rellinghauserstraße, eine Durchfahrtsstraße, die Rellinghausen mit Essen Süd verbindet. Eine Straße, wie es sie in fast jeder Stadt gibt, ein Wohngebiet mit einigen Ladenlokalen. Viele davon leerstehend. Die Einkaufszentren sind meist konkurrenzlos geworden, man kauft nicht mehr in der eigenen Wohngegend bei den Einzelhändlern ein. Ein Phänomen, was sich in vielen Bereichen der globalen Gesellschaft beobachten lässt, auch in der Kunstszene.

Kunst aber ist eine Form der Kommunikation. Sie sucht die Öffentlichkeit. Dafür suchen sich die Künstlerinnen und Künstler des Kunstkollegiums Essen immer wieder Räume wie diesen, fernab vom offiziellen Kunstgeschehen. Auch um diesem etwas entgegenzusetzen, um einen (off) Raum zu finden, in dem die Präsentation der eigenen Arbeit möglich wird. Vorangegangene Ausstellungen wurden in einem leerstehenden Möbelhaus (Brigittastraße/ Essen Rüttenscheid) und in einem Architekturbüro (Mathildenstraße/ Essen Rüttenscheid) gezeigt. Die Räume werden von den Künstlerinnen und Künstlern des Kollegiums als Zwischenstation genutzt, um sie mit ihren Arbeiten zu bespielen, bevor der Raum dann wieder als Wohn-, Büro- oder Verkaufsfläche dient. Kunst (off) Raum beinhaltet auch sich "einzupflanzen" in eine Gegend, an einen Ort der sonst einen anderen Zweck erfüllt, eben kein Museums- oder Galerieraum ist. So wird nicht nur die Aufmerksamkeit der Kunstinteressierten, sondern auch die Aufmerksamkeit der Passanten und Viertelbewohner geweckt und auf die künstlerischen Arbeiten aber auch auf den Ort, den Raum der sie umgibt, gelenkt. Das Ziel der tempörären Ausstellungen ist es also eine Plattform für die eigene künstlerische Arbeit zu finden und jenseits des white-cubes einen Nutzraum umzudeuten als Raum für Kommunikation durch und über Kunst. Die Arbeiten sind dabei teilweise eigens für den entsprechenden Raum konzipiert.

Das Ladenlokal in der Rellinghauserstr. 277 mit zwei fast quadratischen Räumen, in dem sich ehemals eine Änderungsschneiderei befand, wird von neun Künstlerinnen und Künstlern bespielt. Neben den Vertretern des Kunstkollegiums stellen diesmal auch zwei Gäste aus: Tim Cierpiszewski und Johanna Flammer. Das Spektrum der Arbeiten reicht von Malerei über Installation zu Videoarbeiten, kinetischen und akustischen Objekten.

Das Kunstkollegium ist zu Gast und bleibt nie lange, etabliert sich nicht. Vielmehr geht es um einen stetigen Austausch und Prozess, um das Suchen und Wahrnehmen von Ausstellungsmöglichkeiten im urbanen Raum.

Nora Prager 2009